Von der Trainerin zur Unternehmerin: Wie Stephanie Lutrelli ihr eigenes Personal-Training-Imperium aufbaute
Was Du von einer NEOS Award Gewinnerin über Kundenbindung, Verbindlichkeit und echtes Unternehmertum lernen kannst
Über 25 Jahre als Personal Trainerin auf dem Markt, Klienten, die seit 26 Jahren dabei sind, und ein eigenes Studio im ländlichen Raum bei Ulm – Stephanie Lutrelli hat geschafft, wovon viele Personal Trainer träumen. In dieser Podcast-Folge gibt sie einen tiefen Einblick in ihren Weg vom Kampfsport zum eigenen Personal-Training-Unternehmen. Du erfährst, warum Verbindlichkeit und Ehrlichkeit die entscheidenden Faktoren für langfristige Kundenbindung sind, wie sie den NEOS Award 2019 als Personal Trainerin des Jahres gewonnen hat und was es wirklich bedeutet, den Schritt vom Trainer zum Unternehmer zu gehen. Außerdem spricht sie offen über die Schattenseiten der Selbstständigkeit, über Steuerlast, Verzicht und die harte Realität hinter dem vermeintlich leichten Weg zum Erfolg.
Wie alles begann: Vom Kampfsport nach Los Angeles und zurück
Stephanie hat von Kindheit an Kampfsport betrieben und ist Ende der 90er Jahre nach Los Angeles gereist. Dort hat sie eine Trainingskultur erlebt, die es in Deutschland zu dieser Zeit noch nicht gab: Studios, die neben Kursen auch hochwertiges Einzeltraining angeboten haben. Von Personal Training hatte sie zuvor in Deutschland noch nichts gehört.
Zurück in der Heimat hat sie beschlossen, genau so eine Trainingswelt aufzubauen. Sie hat Kampfsportkurse gegeben, mit Elementen wie Kicks, Punches und Boxtechniken. Schnell haben ihre Kursteilnehmer nach Einzeltraining gefragt, um die Techniken zu vertiefen. So hat sich ihr Personal Training ganz organisch entwickelt – zunächst aus dem Kampfsport heraus. Sie war damals um die 18 bis 20 Jahre alt und bereits extrem enthusiastisch.
In der Anfangszeit hat sie in verschiedenen Studios gearbeitet, war aber oft unzufrieden mit der Art, wie diese geführt wurden. Das hat ihren Wunsch nach einem eigenen Studio weiter verstärkt.
Mehr als nur Boxen: Warum Klienten wirklich bleiben
Der Zulauf in Stephanies Anfangszeit war groß. Neben dem Kampfsport-Trend Anfang der 2000er hat auch das Thema betriebliches Gesundheitsmanagement an Bedeutung gewonnen. Firmen haben sie angefragt, dazu kamen Einzeltrainings und Kurse mit jeweils 20 bis 30 Teilnehmern pro Woche.
Doch der entscheidende Punkt war ein anderer: Die Klienten sind nicht nur wegen des Trainings geblieben, sondern weil die Zusammenarbeit mit Stephanie ihnen insgesamt gutgetan hat. Stressreduktion, persönliches Wachstum, ein stärkeres Auftreten im Alltag – viele Frauen sind durch das Training über sich hinausgewachsen. Sie haben gelernt, ihre Position zu behaupten, eine starke Stimme zu entwickeln und selbstbewusster aufzutreten. Das Training war der Türöffner, aber der eigentliche Wert lag weit darüber hinaus.
Stabilität und Sicherheit: Was Klienten wirklich an einem Personal Trainer schätzen
Auf die Frage, warum Klienten langfristig mit ihr zusammenarbeiten, hat Stephanie eine klare Antwort gegeben: Beständigkeit. In einer Zeit, in der Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit in der Gesellschaft abnehmen, bietet sie ihren Klienten einen stabilen Anker. Auf sie kann man sich verlassen. Sie sagt ehrlich, wo jemand steht, woran gearbeitet werden muss und was sich verbessert hat.
Diese Gewissheit und Sicherheit – das ist nach Stephanies Einschätzung der eigentliche Grund, warum Menschen dauerhaft mit ihr trainieren. Nicht die perfekte Übungsauswahl, sondern ein ruhiger, verlässlicher Punkt in ihrem Leben.
Ehrlichkeit statt Gefälligkeit: Warum Mut zur Klarheit Dein Business stärkt
Stephanie hat einen Grundsatz formuliert, der für jeden Personal Trainer relevant ist: Man darf den Klienten nichts vormachen. Gerade in der Startphase neigen viele Trainer dazu, gefallen zu wollen und sich nicht zu trauen, ehrlich zu sein – aus Angst, den Klienten zu verlieren.
Stephanies Erfahrung zeigt das Gegenteil: Wer nicht ehrlich zueinander sein kann, kann nicht in die Tiefe gehen. Ohne Tiefe entsteht keine echte Verbindung. Und ohne Verbindung bleibt kein Klient langfristig. Sie hat lieber weniger Klienten am Anfang und baut sich dafür ein stabiles Fundament auf. Das Ergebnis: Klienten, die seit 26 Jahren mit ihr trainieren.
Natürlich polarisiert diese klare Haltung. Nicht jeder mag diese Direktheit. Aber Stephanie kann damit leben. Ehrlichkeit und Klarheit haben für sie mehr Priorität als das Bedürfnis, von jedem gemocht zu werden.
Der NEOS Award 2019: Vom Modell zum eigenen Studio
Stephanie hat sich beim NEOS Award vor der Jury präsentiert – mit einem physischen Modell ihres geplanten Studios. Sieben Jurymitglieder saßen ihr gegenüber, als sie von ihrem Traum erzählt hat. Die Präsentation hat die gesamte Jury beeindruckt. Ich durfte als Jurymitglied dabei sein und kann bestätigen: Das war ein Feuerwerk an Leidenschaft und Überzeugungskraft.
2014 hat sie das Projekt konkret geplant. 2017 hat das Bauprojekt begonnen. Am 19. Januar 2019 hat sie ihr Studio in Ehingen bei Ulm eröffnet – mit drei Trainingsräumen, Empfangsbereich, Outdoor-Trainingsbereich und ihrem Wohnbereich direkt darüber. Kurze Wege, durchdachte Planung, alles aus einem Guss.
Und das wohlgemerkt nicht in einer Großstadt, sondern in einer eher ländlichen Region. Ein Beweis dafür, dass ein klares Konzept und eine starke Positionierung auch abseits der Metropolen funktionieren.
Vom Personal Training zum breiten Angebot: Wie das Studio gewachsen ist
Das Studio hat sich über die Jahre weiterentwickelt. Heute beschäftigt Stephanie drei Festangestellte, eine duale Studentin und weitere Teilzeitkräfte. Das Angebot umfasst Yoga, Rückentraining, Kampfsportkurse, Bauch-Beine-Po, Personal Training in verschiedenen Formen – von energiegeladenem Power-Training bis hin zu ruhigerem Training mit Fokus auf Entspannung und Stressprävention. Dazu kommt therapeutisches Training für die Wiederherstellung des Gesundheitszustandes, Seniorentraining, EMS-Training und betriebliches Gesundheitsmanagement für Unternehmen.
Firmen kommen beispielsweise einmal pro Woche für gezieltes Mitarbeitertraining oder Stephanies Team betreut Unternehmen vor Ort mit Sitzplatzergonomie, Stressreduktion und Haltungsverbesserung.
Als Unternehmerin führen: Klare Regeln und konsequente Linie
Mit Mitarbeitern kommt Verantwortung. Stephanie hat beschrieben, wie sich als Studioinhaberin nahezu alles um das Unternehmen dreht. Trainings geben, Büroarbeit erledigen, sich um defekte Wärmepumpen und kaputte Türen kümmern, Handwerker koordinieren, Mitarbeiter führen – der Alltag einer Vollblutunternehmerin.
Ihr Führungsstil basiert auf einer klaren Linie: faire Regeln, konsequente Umsetzung, gemeinsame Ziele. Und ein Grundsatz, den sie mehrfach betont hat: Bevor etwas schlecht gemacht wird, macht sie es lieber selbst. Geeignete Mitarbeiter zu finden, die zum Studio, zu den Kunden und zur eigenen Philosophie passen, ist eine der größten Herausforderungen. Ihr Name steht für das Unternehmen, und die Mitarbeiter müssen diesem Anspruch gerecht werden.
Klientenakquise auf dem Land: Homepage, Social Media und Empfehlungen
Zur Frage, wie sie an Klienten kommt, hat Stephanie pragmatisch geantwortet: Durch ihre langjährige Präsenz in der Region kennt man sie. In einem ländlichen Umfeld ist Bekanntheit ein echter Vorteil gegenüber einer anonymen Großstadt.
Daneben sind drei Säulen wichtig für ihre Akquise: Erstens die Homepage, die professionell von einem Experten betreut wird – Stephanie hat offen gesagt, dass sie das selbst nicht kann und es deshalb abgibt. Zweitens Social Media, das sie zwar nicht besonders gern macht, aber als notwendig erkannt hat. Ihre jüngeren Mitarbeiter unterstützen sie dabei. Drittens Empfehlungen: Zufriedene Klienten, die gute Ergebnisse erzielen, empfehlen weiter. Das passiert nicht immer, weil manche ihren Trainer nicht teilen wollen – aber es passiert regelmäßig.
Wie sich die Branche verändert hat: Weniger Verbindlichkeit, mehr Eigeninvestition
Stephanie hat im Gespräch einen interessanten Wandel beschrieben: Die Verbindlichkeit in der Gesellschaft hat abgenommen. Es ist schwieriger geworden, langfristige Bindungen aufzubauen. Jüngere Kursteilnehmer reagieren teilweise irritiert, wenn sie sich für eine Abwesenheit abmelden sollen – etwas, das zu Beginn ihrer Karriere selbstverständlich war.
Gleichzeitig beobachtet sie eine gegenläufige Entwicklung: Immer mehr Menschen investieren aus eigener Tasche in ihre Gesundheit. Das Gesundheitssystem hat sich aus ihrer Sicht nicht unbedingt zum Positiven verändert, viele bekommen keinen Platz in der Physiotherapie. Dadurch entscheiden sich mehr Menschen bewusst für Personal Training. Fitness hat insgesamt an Zulauf gewonnen.
Stephanies Antwort darauf: Verbindlichkeit einfordern. Feste Gruppen, verbindliche Teilnahme, klare Regeln. Und als Trainerin selbst das vorleben, was man von den Klienten erwartet. Sie ist bei jedem Training dabei, auch an schwachen Tagen. Denn wer Verbindlichkeit einfordert, muss sie auch selbst leben.
Selbstfürsorge als unternehmerische Notwendigkeit
Ein Aspekt, der im Gespräch besonders herausgestochen hat: Stephanie sorgt aktiv für sich selbst. Ihr Wohnbereich liegt direkt über dem Studio, mit Dachterrasse und Blick Richtung Alpen. Mittagsschlaf gehört zu ihrem Alltag. Regelmäßiger Urlaub auch.
Ihre Überzeugung: Wer andere Menschen motivieren will, muss selbst aufgeladen sein. Man braucht Abstand, andere Impulse, Auszeiten. Nicht weil der Beruf keinen Spaß macht, sondern gerade weil er Spaß macht – damit die Energie langfristig reicht.
Auch das Klavierspielen gehört dazu. Sie hat Ende 20 angefangen, zweimal pro Woche in der Mittagspause, und es gibt ihr enorme Energie. Ihre Botschaft: Man muss auch nach seiner anderen Seite schauen, nicht nur nach der Trainerseite.
Was Stephanie heute anders machen würde
Auf die Frage, was sie angehenden Personal Trainern raten würde, hat Stephanie klar geantwortet: Mit erfahrenen Kollegen sprechen, die schon lange auf dem Markt sind. Sich die unangenehmen Seiten anhören. Denn viele steigen blauäugig ein, weil sie Freude am Training und an Menschen haben, aber sich nicht bewusst sind, was finanziell auf sie zukommt.
Sie hat konkrete Beispiele genannt: Die Steuerlast, die enorm sein kann. Der Wechsel vom Kleingewerbe zum Regelunternehmen, der sie selbst überrascht hat, als sie im ersten Jahr die gesamte Umsatzsteuer nachzahlen musste. Die Vorsorge für Rente und Krankheit. Grundlegende Dinge, die ein Geschäft von heute auf morgen ruinieren können.
Ihr klares Fazit: Training ist nur ein ganz kleiner Teil der Selbstständigkeit. Das meiste passiert drumherum. Anfragen schreiben, mit Kunden umgehen, sich dem Business voll widmen. Der private Bereich wird kleiner. Man muss verzichten können. Und mehr nach dem Sein schauen als nach dem Schein.
Worauf Stephanie stolz ist: Dranbleiben, Mut und Realität
Zwei Dinge stechen heraus, auf die Stephanie besonders stolz ist: Erstens, dass sie das Klavierspielen durchgezogen hat – ein Herzenswunsch, den sie spät angefangen und trotz der Schwierigkeit beibehalten hat. Zweitens, dass sie ihre Selbstständigkeit bis heute durchgezogen hat, trotz aller Härten.
Sie hat dabei nicht beschönigt: Es gibt Tage, an denen sie um 5 Uhr aufsteht und um 23 Uhr nach Hause kommt. Tage, an denen sie am liebsten kündigen würde. Aber am nächsten Tag sieht die Welt wieder anders aus. Das, was in den sozialen Medien als leichter Weg zu 50.000 Euro im Monat verkauft wird, hat mit ihrer Realität nichts zu tun. Keinen erfolgreichen Unternehmer kennt sie, der im Schlaf reich geworden ist.
Fazit: Was Du aus Stephanie Lutrellis Weg mitnehmen kannst
Stephanie Lutrelli verkörpert das, was ein erfolgreiches Personal Training Business ausmacht: Dranbleiben, Mut, Hartnäckigkeit, Zielstrebigkeit und vor allem Verbindlichkeit. Sie hat bewiesen, dass nachhaltiger Erfolg als Personal Trainer möglich ist – auch im ländlichen Raum, auch ohne Hochglanz-Marketing, auch mit ehrlicher Kommunikation statt Gefälligkeit.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch:
- Kundenbindung entsteht nicht über Methoden, sondern über Werte wie Stabilität, Ehrlichkeit und Verbindlichkeit
- Ehrlichkeit gegenüber Klienten ist wichtiger als Harmonie – auch wenn man dadurch polarisiert
- Verbindlichkeit muss man als Trainer selbst vorleben, bevor man sie einfordern kann
- Die Selbstständigkeit als Personal Trainer erfordert weit mehr als Trainingskompetenz
- Selbstfürsorge und Auszeiten sind keine Schwäche, sondern unternehmerische Notwendigkeit
- Der Austausch mit erfahrenen Kollegen kann Fehler und Fehlinvestitionen verhindern
FAQ
Brauche ich ein eigenes Studio, um als Personal Trainer erfolgreich zu sein?
Nicht zwingend. Stephanies Studio ist das Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses. Entscheidend ist nicht der Ort, sondern Deine Haltung: Verbindlichkeit, klare Positionierung und ehrliche Kommunikation funktionieren unabhängig davon, ob Du in einem eigenen Studio, bei Klienten zu Hause oder outdoor trainierst.
Wie gehe ich als Einsteiger damit um, wenn ich noch nicht genug Klienten habe, um Verbindlichkeit einzufordern?
Stephanie hat es selbst so beschrieben: Lieber weniger Klienten am Anfang und dafür ein stabiles Fundament. Wenn Du von Beginn an klare Regeln aufstellst und ehrlich kommunizierst, ziehst Du die richtigen Klienten an – auch wenn es anfangs wirtschaftlich herausfordernd ist.
Ist Social Media für Personal Trainer wirklich notwendig?
Stephanie macht Social Media, obwohl sie es nicht gern tut. Ihre Einschätzung: Es gehört dazu. Die Homepage ist der zentrale Anlaufpunkt, und Social Media ergänzt die Sichtbarkeit. Wenn Du es selbst nicht kannst, hole Dir Unterstützung – so wie Stephanie es mit ihrer Homepage und ihren jüngeren Mitarbeitern bei Instagram macht.
Wie bereite ich mich finanziell auf die Selbstständigkeit als Personal Trainer vor?
Stephanie hat betont, dass viele die Steuerlast unterschätzen. Der Wechsel vom Kleingewerbe zum Regelunternehmen, Umsatzsteuernachzahlungen, Rentenvorsorge und Krankheitsabsicherung – das alles kann ein Business ruinieren. Ihr Rat: Sprich mit erfahrenen Kollegen, die diese Herausforderungen bereits gemeistert haben.
### Shownotes:
Stefanie Lutrelli im Netz:
Website: http://www.stephanie-lutrelli.de
Instagram: @stephanie_lutrelli
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